Im ersten Lebensjahr besteht kein Zweifel daran, dass langbettige omega-3 und omega-6 Fettsäuren für Kinder von großer Bedeutung sind. In dieser Entwicklungsphase benötigen sie z.B. erhebliche Mengen an omega-3 DHA zum Aufbau des Gehirnes, der Nerven und ganz generell für den Aufbau von Zellmembranen, da der Organismus diese nicht selbst herstellen kann.
Nach Vollendung des ersten Lebensjahres ist das Gehirn ausgebildet; in der Folgezeit muss lediglich das verbrauchte DHA ersetzt werden, um einen angemessenen EPA- und DHA-Spiegel aufrechtzuerhalten.
Und danach? Ist eine Supplementierung mit Fettsäuren nicht mehr erforderlich? – Doch, es ist sehr empfehlenswert, die Ernährung mit Omega-3 zu ergänzen (immer in Form von hochreinen, qualitativ einwandfreien Produkten mit wissenschaftlich gesicherter Wirksamkeit) sofern nicht sichergestellt werden kann, dass zumindest 2 bis 3 mal die Woche ein Gericht mit fetten Fisch (Lachs, Hering, Makrele, Sardine, …) eingenommen wird.
In der wissenschaftlichen Literatur ist das Problem von Hirnschädigungen durch oxidativen Stress umfassend beschrieben und belegt. Solcher oxidativer Stress kann u. a. verursacht werden durch Virusinfektionen während oder nach der Schwangerschaft, durch Rauchen oder übermäßigen Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft. Viele Situationen – einschließlich der genannten – können bei Kindern oxidativen Stress auslösen.
Bekannt ist, dass oxidativer Stress Entzündungen im Gehirn hervorruft, deren Ausmaß von der Intensität des Stresses abhängt. Außerdem fördert eine Ernährung, die reich an Omega-6 und arm an omega-3-reichen Fischsorten ist, die Entstehung chronischer Entzündungen, die letztlich zum Absterben betroffener Zellen führen.
Ebenfalls bekannt ist, dass psychische Traumata in den ersten LebensphasenFolgendes begünstigen können:
- Verhaltensauffälligkeiten im sozialen Bereich und Aggressivität,
- die Entwicklung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und/oder Konzentrationsschwäche,
- die Entwicklung einer Koordinationsentwicklungsstörung (Developmental Coordination Disorder, DCD),
- die Entwicklung von Dyslexie,
- die Entstehung von Depression, Angstzuständen und Schlafmangel.
Ein optimaler Spiegel an Fettsäuren (EPA und DHA) im Körper – wozu eine Supplementierung mit Omega-3 aus natürlichen Quellen zweifellos beitragen kann – unterstützt die Verbesserung der Lebensqualität und eine gesündere Entwicklung. Klar – eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann dies garantieren … aber seien wir mal ehrlich …
Ein besonders deutliches Beispiel sind hyperaktive Kinder. Derzeit wird eine sehr große Zahl von Kindern mit „Hyperaktivität“ diagnostiziert. In den USA liegt der Anteil bei Jungen bei etwa 10 %, bei Mädchen bei 7 %. Unserer Einschätzung nach umfassen diese Zahlen sowohl tatsächlich hyperaktive Kinder als auch Kinder, die einfach sehr unruhig oder lebhaft sind, ohne eine ausgeprägte Störung.
Im Vergleich zu Psychopharmaka, die viele hyperaktive oder sehr nervöse Kinder einnehmen müssen – und die ernsthafte Nebenwirkungen haben –, bietet eine Umstellung der Ernährung auf EPA-/DHA-reiche Lebensmittel und/oder die Ergänzung der Ernährung mit qualitativ hochwertigen Omega-3 eine hoffnungsvolle Alternative, die es eventuell sogar ermöglicht, Medikamentendosen zu reduzieren. Mehrere Studien haben einen Zusammenhang zwischen Hyperaktivität und einem sehr niedrigen EPA-Blutspiegel festgestellt – angesichts des hohen Anteils an Omega-6-reichen (und Omega-3-armen) Lebensmitteln in der heutigen Kinder- und Jugendernährung nicht überraschend. Manche Kinder essen wochen- oder gar monatelang keinen fetten Fisch.
Woher also soll ihr EPA kommen, um chronische Entzündungen im Gehirn zu bekämpfen? Wie immer ist das Gleichgewicht zwischen Omega-6 und Omega-3 in der Ernährung entscheidend. Es ist zwar kaum möglich, noch sinnvoll, die Omega-6-Zufuhr bei Kindern deutlich zu senken, wohl aber, ihre Ernährung mit Omega-3-Produkten reich an EPA anzureichern. Da viele Kinder ungern Kapseln schlucken, empfiehlt es sich, ihnen täglich 1–2 Teelöffel (5-10 ml) fettreichen Kaltwasserfischöl zu geben – pur oder vermischt mit Joghurt, Salat oder auch in Eiscreme.
Wichtig ist die Wahl eines Fischöls von sehr hoher Qualität, das stark desodoriert und dekontaminiert ist – also ohne Fischgeruch oder -geschmack.
Premiumprodukte bleiben im Kühlschrank über einen Monat lang geruchs- und geschmacksneutral – ausreichend Zeit, um eine ganze Flasche zu verbrauchen. Besonders empfehlenswert ist Öl aus Sardinen und/oder Sardellen, da es mehr EPA als DHA enthält. Lachsöl hingegen liefert häufig mehr DHA als EPA.
Beide Fettsäuren sind wichtig, weshalb ein ausgewogenes Verhältnis im Produkt essenziell ist. Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine Supplementierung mit 1–3 g EPA Symptome von Hyperaktivität bei Kindern reduzieren, das Sozialverhalten verbessern können und den Bedarf an anderen Medikamenten verringern oder sogar vermeiden können.
Auch bei der Behandlung von Dyslexie und Koordinationsentwicklungsstörungen zeigte eine Gabe von 1–2 g EPA pro Tag gute Ergebnisse – völlig ohne Nebenwirkungen und damit ohne Risiko für die Kinder.
Abschließend sei noch bemerkt, dass Omega-3 EPA eine wichtige Rolle für Motivation, emotionale Stabilität und Konzentrationsfähigkeit spielt – Eigenschaften, die z. B. in der Schule unabdingbar sind. All dies ist entscheidend für ein glückliches, normales Leben.
Dr.rer.nat. Peter Lembke